Meditation: Hörendes Herz    

"Hörendes Herz" von Sr. Oblinger

"Hörendes Herz" von Sr. Nicole Oblinger

 

Zwei biblische Stellen haben Sr. Nicole Oblinger, eine Dillinger Franziskanerin, zu ihrem Bild „hörendes Herz“ angeregt:

Da ist zum einen Psalm 95:
Fast flehentlich bittet Gott den Menschen, er möge sein Herz nicht verstocken, nicht verhärten, damit es offen ist für das Werben Gottes.

Zum anderen ist da das erste Buch der Könige: König Salomon bittet Gott genauso flehentlich, dieser möge ihm doch ein hörendes Herz schenken, damit er das Gute vom Bösen unterscheiden lerne.

Ein hörendes Herz um den anderen so wahrnehmen zu können, wie er wirklich ist, ohne die eigenen Vorurteile und Projektionen.
Das scheint eine schwierige Aufgabe zu sein. Wie kann das gehen?
Das Bild zeigt uns in der Draufsicht links die kleine und unstrukturierte rechte Kammer. Sie scheint unbedeutend für unser Anliegen, ist nur der Durchgang für das verbrauchte Blut, man könnte sagen der Durchgang für die aufgebrauchten Seiten unseres Lebens. Burn out!
Ganz anders die linke Kammer, die wir groß und strukturiert rechts sehen. In sie fließt das sauerstoffreiche Blut aus der Lunge, in ihr stecken neue Kraft und Energie, das, was uns leben lässt – in allen Varianten, die Leben ausmachen.
Dahin verlegt die Künstlerin das hörende Ohr. Hier ist der Ort zu hören. Nicht mit den verbrauchten, entleerten und negativ geprägten Altlasten unseres Lebens – nicht mit der rechten Kammer.
Hören auf mein Gegenüber, Hören auf Gott, so dass ich den anderen so wahrnehme, wie er wirklich ist – das geht nur, wenn ich versuche, mit der linken Seite meines Herzens zu hören. Mit der Seite des Herzens, die - wie das Blut in der Lunge - angereichert wurde durch den Atem Gottes, der schon dem Adam sein Leben gab.
Hören mit lebendigem Herzen! Nicht verstockt, nicht verhärtet!
Vielleicht so unverbraucht und offen wie der Embryo, den man bei Drehung des Bildes um 180 Grad in der linken Kammer als Teil des Ohres entdecken kann. Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder – back to the roots, Gott empfangen und weitergeben mit unverbrauchtem und offenem Herzen. So einfach, wie das oft nur noch die Kinder können.
Das Leben ist manchmal hart, das hat Folgen für das Herz. Aber wem, wenn nicht Gott, könnten wir es anvertrauen. So offen es geht, auf ihn hören, so gut es geht, sich ihm nähern, bis Herz auf Herz trifft – so kann Leben und Heil entstehen. So könnten wir Schritt für Schritt - immer wieder neu - ein bisschen mehr Herz Gottes auf Erden werden.

Herr, gib mir ein hörendes Herz, damit ich die Welt mit deinen Augen sehen kann.
 
       
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